Temporäre Jugendkirche in Hofheim: "Best 4ever"

von Nadine Jamieson

„Best Kirche 4ever“

Stadtpfarrkirche Hofheim in den Haßbergen präsentiert sich eine Woche lang „wiesig – paradiesig“ – Besucher zeigen sich begeistert

Hofheim (POW) Eine große Grünfläche mit englischem Rasen, darauf platziert Hängematten. Sanft plätschert ein kleiner Bach. Meereswogen branden an den Strand, durch ein Getreidefeld weht der Wind. Palmen werfen ihre Schatten auf Liegestühle. Als echter Hingucker präsentiert sich derzeit die Stadtpfarrkirche im unterfränkischen Hofheim. Noch bis zum Sonntag, 21. April, ist das Gotteshaus unter dem Motto „Wiesig – paradiesig“ zur Jugendkirche umgestaltet. Eine Gruppe von Jugendlichen erarbeitete hierfür die Vorschläge, als klar wurde, dass die Kirche wegen einer Renovierung komplett leergeräumt werden muss. Ihre Grundidee: ein Gotteshaus mit Wohlfühlatmosphäre, ein Ort, der zum Verweilen und Abschalten einlädt.

Wer zum Hauptportal hereingeht, betritt zunächst ein Labyrinth. Der erste Wegweiser führt in eine Sackgasse. Ganz nach dem Bibelwort: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ Wenige Schritte und Ecken weiter bietet eine „Wutecke“ Gelegenheit, sich an einem Boxsack auszutoben. Am Ende des Irrgartens weitet sich das enge Blickfeld wieder und der Kirchenraum tut sich auf.

Ulla Ballhaus aus Eichelsdorf und ihr Rauhhaardackel Lula schauen sich um. „Ich finde es toll, wenn Leben in der Kirche ist“, sagt die Schwester des oscarprämierten Kameramanns Michael Ballhaus. In ihrer Alterklasse bevorzuge sie für diesen Zweck Kirchenkonzerte mit klassischer Musik. „Wow“, rufen Kai und Manuela Stegner beim Anblick des Kirchenraums. Das Ehepaar aus Neustadt bei Coburg nimmt den Rasen und den Bachlauf, der in einen kleinen See mündet, näher in Augenschein. „Hier fühle ich mich gleich geborgen“, sagt Manuela. Ihr Mann streicht vorsichtig über die Grasspitzen und ist begeistert. „Was ich aber auch toll finde, ist, dass die Kirche auch tagsüber offen ist. Ich bin evangelisch, und unsere Kirchen sind leider tagsüber meist verschlossen.“

Kaplan Norbert Becker, einer der Initiatoren der Hofheimer Jugendkirche, winkt eine junge Frau herein, die durch die offene Seitentüre hereinspitzt. Tanja Dietz (24) hat Mittagspause und ist durch den Aufsteller vor der Kirche neugierig geworden. „Diese Oase mit den Palmen und dem Blick auf die Meeresbrandung ist mein spontaner Lieblingsplatz“, sagt sie, nachdem sie auf einer der Liegen unter dem großen Kreuz Platz genommen hat. Das Meer ist wie das wogende Getreidefeld eine Projektion, die an Leinwände geworfen wird. Bis auf das Labyrinth, für das eine örtliche Schreinerei Material und Fachkräfte kostenlos stellte, haben die Jugendlichen innerhalb von zwei Tagen die neue Innenausstattung selbst herbeigeschafft und aufgebaut. „Wir hatten viel Spaß, wenngleich es zum Beispiel ein echt harter Job war, die schweren Bühnenteile bei Regen in die Kirche zu schleppen“, sagt Hanna Lutz, Praktikantin in der Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit.

Gleich neben der großen Bühne laden in der Bauecke bunte Bauklötze dazu ein, die ganz persönliche architektonische Vorstellung der idealen Jugendkirche zu verwirklichen. „Wir haben heute eine Kindergartengruppe hier gehabt, die sich mit viel Spaß und großem Einsatz getummelt hat“, erzählt Regionaljugendseelsorger Matthias Vetter. „Darf ich mich mal umsehen?“, fragt Michael Brix (20) aus Üschersdorf. Der groß gewachsene Blonde hat noch ein bisschen Zeit, bevor die Verwaltungsgemeinschaft wieder öffnet. Er lässt die Einrichtung der Jugendkirche auf sich wirken. Auch die stille Gebetsecke. Kerzen brennen in einer Schale vor dem an die Wand gelehnten Kreuz. In eine Ziegelsteinmauer haben Jugendliche Zettel mit ihren ganz persönlichen Gebetsanliegen gesteckt. Flusskiesel, zum Teil mit Flizstift beschriftet, häufen sich in einer Ecke dieser Seitenkapelle. Wer will, darf seine ganz persönliche Sorge dort „abwerfen“. „Mir gefällt an der Jugendkirche, dass hier versucht wird, Modernes mit dem Alten harmonisch zu verbinden“, lautet Brix‘ Resümee.

„Keine große Kirchgängerin“ ist nach eigenem Bekunden Sonja Liebenstein aus Hofheim. Gerade hat sie  angelockt durch einen Radiobeitrag, ihren persönlichen Rundgang abgeschlossen. Sie ist schwer angetan von der Gestaltung des Raumes durch die Jugend. „Für mich ist ein Kirchenraum immer etwas Besonderes, vor dem man Respekt haben muss und das eine Wertigkeit haben muss. Das ist auch jetzt ganz toll gelungen.“ Alfred Saam aus Goßmannsdorf kann nur zustimmen. „Muss ich doch glatt mal meine Enkel herschicken“, sagt der 75-Jährige. Oder, um es mit einem Zitat aus dem in Form einer großen Plakatwand gestalteten Gästebuch zu sagen: „Best Kirche 4ever“.

Die Jugendkirche ist bis zum 21. April täglich von 7 bis 20 Uhr geöffnet. Vormittags können Schulklassen sich führen lassen, ab 15 Uhr können Jugendgruppen vorbeikommen. Um 19 Uhr gibt es jeweils einen kurzen Impuls zum Tagesabschluss und anschließend Gelegenheit zur Begegnung. Am Samstag, 20.April, gibt es ab 19 Uhr kostenlose Livemusik unter dem Motto „Wiesig – paradiesig in concert“. Am Sonntag, 21.April, ist ab 14 Uhr offener Nachmittag. Um 19 Uhr wird unter der Überschrift „Paradise Lost..?“ ein Abschlussgottesdienst gefeiert.

Autor: Markus Hauck (POW)

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